Heft 4/12: Sucht und Ordnung – Wiedersprüche staatlicher Drogenpolitik

Fast zehn Jahre ist es her, dass Drogen und Drogenpolitik Gegenstand der Diskussion bei Forum Recht waren. Seitdem hat sich einiges getan, vieles ist gleich geblieben. Neue Stoffe sind aufgetaucht und wurden ins Betäubungsmittelgesetz aufgenommen. Andere – wie das Cannabis – zur Herstellung von Medikamenten freigegeben. Mal wurde der globale Krieg gegen Drogen für gescheitert erklärt, dann wieder in anderen Ländern ausgerufen. Gleich geblieben ist das dichotome Denken in Gut und Böse und das unbedingte Strafbedürfnis von allem Abweichenden und für die bügerliche Gesellschaftsordnung Bedrohlichen.

In die Thematik einleitend nimmt Maria Seitz auf den Seiten 181 bis 183 die Ambivalenz staatlicher Verbotspolitik und das kapitalistische Verwertungspotenzial von Rauschsubstanzen genauer unter die Lupe. Anschließend wird vom Arbeitskreis Rausch aus Berlin erörtert, wie der Herstellungs- und Vertriebsprozess von Rauschmitteln unter kapitalistischen Bedingungen marktförmig abläuft (184-186). Peter Clausing geht auf den Seiten 187 bis 189 der aktuellen Entwicklung des „War on Drugs“ in Mexiko nach und stellt die besondere Einflussnahme durch die Bundesrepublik heraus. Die ruinöse Situation von Flüchtenden und die perfide, zusätzliche Sanktionierung von Drogendelikten durch das deutsche Asyl- und Ausländerrecht ist Gegenstand von Lena Herbers‘ Beitrag auf den Seiten 190 bis 191. Nora Keller beleuchtet schließlich am Beispiel des staatlichen Umgangs mit Heroin die Sinnlosigkeit von Kriminalisierungspolitik und ihr Bedrohungspotenzial für die Betroffenen (192-194).
Die Forum Recht Redaktion wünscht eine wahlweise anregende oder beruhigende Lektüre!

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Heft 3/12: DDR, BRD, ojemine

Die DDR erscheint im Rückblick immer mehr wie ein graues, manchmal heiteres Absurdistan. Mit dem sang- und klanglosen Untergang des SED-Staates hat sich eine Geschichtsdeutung durchgesetzt, die die Bundesrepublik als Normalpfad der Entwicklung ansieht und die DDR erst da wieder berücksichtigt, wo sie vom westlichen Teilstaat aufgesogen wurde. Dabei sind nicht nur in der Erinnerungskultur, sondern auch in rechtlicher Hinsicht noch viele Fragen offen. Das gilt sowohl für das Recht der DDR, über das allgemein wenig bekannt ist, als auch für die rechtliche Seite ihrer „Abwicklung“.

Mit dieser Ausgabe wirft Forum Recht Schlaglichter auf diese Debatte und eröffnet zum Teil ungewohnte Blicke auf die DDR, ihr Recht und ihre Abwicklung. Viel zu oft erscheint das DDR-Regime in der Rückschau als homogener Block. Gegen dieses Bild wird mit dem Artikel von Matthias Peitsch ein detaillierter Blick auf die Kontroverse um die sogenannten Erbe-Thesen geworfen, die die DDR-Rechtswissenschaft in den sechziger Jahren spaltete (S. 149-151). Hingegen beziehen sich die Artikel von Isabel Erdem und Andreas Kerkemeyer auf die gegenwärtigen Debatten um die Einordnung der DDR, wenn sie aus unterschiedlichen Perspektiven das Pauschalverdikt des „Unrechtsstaates“ kritisieren. Steht bei Erdem auf den Seiten 152-153 der historische Vergleich von Nationalsozialismus, DDR und Bundesrepublik im Vordergrund, so untersucht Kerkemeyer auf den Seiten 154-155 die inneren Schwächen des „Unrechtsstaat“-Begriffs. Mit einem „klassischen“ Fall der juristischen Vergangenheitsbewältigung beschäftigt sich auf den Seiten 156-160 Martin Russell, wenn er die naturrechtlich fundierten Urteile in den sog. Mauerschützenfällen einer eingehenden Kritik unterzieht. Spannende Bezüge zwischen dem Recht der Bundesrepublik und dem der DDR stellt schließlich Vadim Reimer auf den Seiten 161-163 her, wenn er die arbeitsrechtliche Gesetzgebung in beiden Staaten vergleicht und sie auf ihre ideologischen und rechtlichen Gehalte untersucht.

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Heft 2/12: TeleVersionen – Recht in Film und Fernsehen

Die Auseinandersetzung mit der Umsetzung von Rechtskonzeptionen im Film war für viele Rechtswissenschaftler_innen lange Zeit nur ein nettes Hobby neben ihrem akademischen Alltag. Doch die zunehmende Komplexität von Filmen und Serien sowie die stetig steigende Rezeption von TV-Produktionen in der Bevölkerung hat das Thema (Pop-)Kultur und Recht zu einem ernstzunehmenden Thema gemacht. Während vor allem in den USA schon einiges zum Verhältnis zwischen Recht und (Pop-)Kultur geschrieben wurde, ist dieser Bereich in Deutschland praktisch noch nie näher beleuchtet worden. Diese Ausgabe von Forum Recht betritt daher Neuland: So sind auch die Artikel in dieser Ausgabe von einer starken Experimentierfreudigkeit geprägt. Alle Autor_innen haben sich je eigene theoretische Zugänge gesucht. Den Start macht Maximilian Pichl auf den Seiten 41-44 mit einem einführenden Artikel. Unter Rückgriff auf die Kritische Theorie versucht er die Ambivalenz von kulturindustriell aufbereiteten TV-Produktionen herauszuarbeiten. Angelika Adensamer widmet sich auf den Seiten 45-47 der hinlänglich bekannten Figur des Robin Hood und verortet diesen als sozialen Bandit, der aus gerechten Motiven heraus mit den Normen des geltenden Rechts bricht. Einen Klassiker des Films nimmt sich Adrian Oeser auf den Seiten 49-50 vor. Aus seiner Perspektive beschreibt der Film Casablanca die Rolle des Rechts in Besatzungsregimen und zeigt, wie dort das Recht dem Widerstand gegen Unterdrückung weichen muss. Anna Gomer wirft auf den Seiten 50-53 einen Blick auf die Serie The Wire und erklärt eindrucksvoll, wie dort mithilfe von filmischen Mitteln komplexe Darstellungen von Kriminalität Einzug in das Fernsehen gefunden haben. Zuletzt widmen sich Florian Muhs und Eric von Dömming auf den Seiten 54-56 der ebenfalls aus den USA stammenden Serie Boston Legal, in der der Anwaltsberuf im Mittelpunkt steht. Sie erläutern, auf welche Weise die Rolle von Anwält_innen im Rechtssystem massenmedial umgesetzt wird und welche Einbußen am Realismus des Rechts, aber auch welche emanzipatorischen Möglichkeiten der Rechtskritik dadurch zu Tage treten. Die Forum Recht Redaktion wünscht eine ebenso informative wie unterhaltsame Lektüre!

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Heft 1/12: Das Sex-Heft

Schnecken auf dem Sex-Heft? Allerdings! Und zwar mit gutem Grund: Diese possierlichen Tierchen sind „Hermaphroditen“, das – auch in der Biologie gern genutzte – „typisch Männchen/typisch Weibchen“-Schema funktioniert da nicht. Über menschliche Sexualität wird dagegen meist eher einseitig geschrieben, oft beschränkt auf den (selbstverständlich nur heterosexuellen) Akt an sich. Wir wollen zeigen, dass es auch aus rechtspolitischer Hinsicht viel mehr Diskussionsmöglichkeiten gibt!

Denn insbesondere in den rechtlichen Regelungen zu diesem Themenkomplex kommen vermeintlich herrschende Moralvorstellungen zum Tragen, gleichzeitig zementiert das Recht bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse und wirkt an der Konstruktion scheinbar natürlicher Gegebenheiten mit. Zunächst stellt Katharina Günther die rechtliche Einteilung aller Menschen in Frauen und Männer in Frage (S. 5-7). Die strikte Festlegung auf eins von zwei Geschlechtern führt zu vielen Problemen, doch ist diese Kategorisierung überhaupt notwendig? Auf den Seiten 8 bis 10 erklärt Marinus Stehmeier die Ursprünge der Geschlechtertrennung im Strafvollzug und legt deren Folgen für die Gefangenen dar. Den Umgang der Medien mit Prozessen über Sexualdelikte und das Phänomen der Litigation-PR betrachtet Phillip Hofmann auf den Seiten 11 bis 13. Georgie Kim Pierenkemper und Moritz Assall beschäftigen sich mit sexualisierter Gewalt in bewaffneten Konflikten und Transitional Justice anhand von Beispielen aus Ruanda und Kambodscha (S. 14-15). Sie zeigen, dass sexualisierte Gewalt zwar in sehr unterschiedliche Formen verübt wird, eine Aufarbeitung aber immer außerordentlich schwierig ist. Auf den Seiten 16 bis 17 beleuchtet Christian Marchlewitz das Tabu des Geschwisterinzests nicht nur aus der Perspektive des Rechts. Passend zum Schwerpunktthema gibt es auf Seite 34 außerdem eine Rezension zur neuen Auflage des Studienbuchs Feministische Rechtswissenschaft.

Die Forum Recht Redaktion wünscht eine ebenso informative wie unterhaltsame Lektüre!

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