Wissenschaft lernt man, indem man selbst Wissenschaft betreibt. Studierende sollten deshalb nicht nur Publikum und Hilfskräfte von Professor:innen sein, sondern Träger:innen einer eigenständigen studentischen Wissenschaftsfreiheit. In der Universität sollte es eine Sphäre der selbst organisierten studentischen Forschung und Lehre geben – finanziert aus den allgemeinen universitären Mitteln.
Das waren die Grundgedanken des Beitrags „Zwei Sphären im gemeinsamen Haus“, den ich vor knapp 30 Jahren in Forum Recht veröffentlichte. Ich finde diese Überlegungen heute noch richtig und freue mich daher, dass der Beitrag in diesem Rahmen noch einmal veröffentlicht wird.
Ich hatte damals gerade das erste Staatsexamen abgeschlossen. Meine Zeit in der Forum Recht-Redaktion und als BAKJ-Sprecher neigte sich dem Ende zu. Daher hatte der Beitrag auch etwas programmatisch Resümierendes.
Die Theorie der studentischen Wissenschaftsfreiheit knüpfte zum einen an eine Praxis der damaligen Studierenden-Bewegung an. Um hochschulpolitische Forderungen durchzusetzen, wurden immer wieder die Universitäten besetzt, der offizielle Lehrbetrieb unterbrochen und durch „autonome Seminare“ ersetzt. Die Qualität dieser autonomen Seminare erreichte teilweise durchaus ernstzunehmendes wissenschaftliches Niveau – gerade in der Rechtswissenschaft und den Sozialwissenschaften, wo man keine teuren Apparate und Labore braucht.
Zum anderen geht es hier aber um mehr als um ein Notprogramm im Uni-Streik und auch um mehr als eine geduldete Nische im etablierten Uni-Betrieb. Die Idee einer studentischen Wissenschaftsfreiheit beinhaltet ein Gegenbild zum üblichen Lernen in Frontal-Vorlesungen und zur Fixierung auf die professorale Forschung und Lehre. Sie öffnet das Denken für eine andere Universität.
Für mich persönlich war die studentische Wissenschaftsfreiheit die logische Fortführung der in der Schülerbewegung erhobenen Forderung nach selbst organisiertem Projektunterricht als Alternative zur überkommenen Blick-nach-vorn-Schule.
Auch Forum Recht und BAKJ habe ich ganz in dieser Tradition gesehen. In Forum Recht schrieben Studierende und Referendar:innen; sie präsentierten ihre Sichtweisen, ihre Ergebnisse. Ebenso stand im BAKJ und seinen örtlichen Gruppen das Selbermachen im Mittelpunkt. Wir luden keine Professor:innen ein, sondern referierten selbst. Ich hoffe, das ist heute immer noch so. Auch dies wäre Ausdruck einer studentischen Wissenschaftsfreiheit.